Warum The Blair Witch Project wichtig ist!

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Ich hatte letztens die Möglichkeit The Blair Witch Project, einen meiner Lieblings Filme und gleichzeitig den wahrscheinlich furchterregendsten Film, den ich je gesehen habe, auf der großen Leinwand zu erleben.
Das erste Mal, als ich The Blair Witch Project in einer späten Sommernacht gesehen habe, war ich absolut schockiert von der rauen Echtheit dieses Filmes, wie genial und bis heute unübertroffen der Found Footage-Stil umgesetzt wurde, aber vor allem hat mich eines fasziniert: Wie ein Horrorfilm, bei dem man nie den Horror sieht, so furchteinlösend sein kann.
Das Metro Kino in Wien zeigte ihn vergangene Woche auf einer 35mm Kopie und als ich im Saal saß und der Film begann, Minute für Minute verstrichen, war ich überrascht, da ich nicht so wie beim ersten Sehen, völlig angsterfüllt dasaß, sondern eher fasziniert davon war und genau auf alle Details achtete. Nicht, dass The Blair Witch Project ein sehr detaillierter Film mit viel Plot ist und mit inszenatorischer Ausgeklügeltheit arbeitet, ganz im Gegenteil. Was diesen Film so echt macht, ist genau der Fakt, dass er viele Gewohnheiten aus dem Kino bricht.

Was The Blair Witch Project erstens zu einem großartigen Film macht, ist dass er Low Budget-Kino der extraklasse ist. Er funktioniert so gut mit ganz offensichtlichen und kleinen Dingen, bei denen man sich wundert, wieso man nicht selbst auf die Idee gekommen ist. Banale Gegenstände, wie Steine, Karten oder Figuren aus Stöcken werden hier zu unheimlichen Schlüsselelementen in der Geschichte.
Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich wirklich, dass die Interviews zu Beginn des Filmes echt waren, da sie auf ihre Art und Weise überhaupt nicht gestellt wirken und anscheinend so gestaged wurden, wie man es in den meisten Filmen nicht sieht.
Die Interviews sind neben Büchern und Grabsteinen die einzigen Quellen, aus denen wir Informationen zum Mythos der Blair Witch, den der Film behandelt, mitbekommen. Nie wird uns, wie gewöhnlich in Filmen, die Welt durch Establishing-Dialoge erklärt, sondern so ziemlich alles bleibt unklar, da die Charaktere selbst nicht wissen, was überhaupt abgeht.
In Zeiten wunderschöner digitaler Fotografie, die uns in breiten Farbspektren und detailreichen Bildern alles so echt und realistisch wie möglich zu zeigen versucht, ist The Blair Witch Project eine Erinnerung dafür, dass das was uns wirklich Angst macht, die Dinge sind, die wir nicht sehen.

Film ist ein visuelles Medium würden viele sagen, doch in Wirklichkeit ist es ein audiovisuelles. Filme sind heute so darauf fixiert uns Dinge zu zeigen, dass sie vergessen, was wir eigentlich hören. Das alles, obwohl bewiesen ist, dass wir uns Töne viel leichter merken, als Bilder.
Wenn ihr an eure Lieblings Horrorfilme denkt, was fällt euch zuerst ein? Das Kreischen der Frau unter der Dusche aus Psycho, die tiefen Streicher von Der Weiße Hai, oder das jagende Rattern der Kettensäge von Leatherface aus The Texas Chainsaw Massacre. Den Machern von The Blair Witch Project war das anscheinend bewusst, und entschieden sich dafür, das Böse nie zu zeigen, sondern nur durch Töne, wie leises Kinderkichern, fallende Baumstämme und angsterfüllte Schreie zu verdeutlichen. In den Szenen, in denen die Charaktere vom Bösen angegriffen werden, hören wir mehr, als wir davon sehen.
Ich würde behaupten, dass der wahre Horror nicht in dem liegt was man sieht, sondern im Unbekannten und im Ungewissen. Darin, etwas erkennen zu können, aber sich nicht ganz sicher zu sein.
Horror ist nicht für uns erklärbar, es geht über Plausibilität hinaus. Genau das schafft The Blair Witch Project hervorragend zu demonstrieren und ist für mich nicht nur ein Film, der nach allen Jahren, in meinen Augen, nichts an der ursprünglichen beängstigenden Kraft verloren hat, sondern auch ein Film, vor dem ich großen Respekt habe.

Als im Kino das verstörende Finale über die Leinwand lief, bis die Kamera von niemandem mehr gehalten wird, machte sich ein altbekanntes Gefühl in mir auf, das Gefühl, dass ich gerade Zeuge von etwas wurde, ohne etwas gesehen zu haben.

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