Das schönste Kino Wiens

Gartenbaukino

Filme müssen auf der großen Leinwand gesehen werden und jedes Mal, wenn ich einen Film wirklich sehen möchte ist das Kino der einzig richtige Ort dafür. Natürlich liebe ich es dann ins IMAX oder iSens zu gehen, um einen Blockbusters im größten und besten Saal wie möglich zu erleben. Aber in letzter Zeit werden mir solche Kinos immer unsympathischer, ich weiß nicht woran es genau liegt, ob es die Zuschauer sind oder das Gefühl, das Filme in solchen Shopping Center-Kinos einfach an einer gewissen Besonderheit verlieren. Allein schon der Akt des Betretens der meisten Kinos in Wien geht dadurch verloren, dass man durch lange Gänge voll mit Geschäften und Restaurants gehen muss um endlich zum Kinosaal zu gelangen.

Deswegen verliere ich langsam irgendwie die Freude einen Film normal im Kino zu sehen, insofern ich ihn nicht wie sonst in einer Pressevorführung gesehen habe. Das Kino ist seit ich mich erinnern kann einer meiner Lieblingsorte, ein Ort der Wunder und des gemeinsamen Träumens. Es gibt aber noch ein paar Ausnahmen, in denen die magische Film-Atmosphäre noch erhalten ist, das sind die Orte in welchen Kino wirklich lebt und das Gartenbaukino ist einer davon.

Schon vom weitem erkennt man es: Den Eingang an der Ecke des Gebäudes, die großen Buchstaben die auf den Tafeln, die den aktuellen Film anzeigen. Wenn man reingeht erfüllt einen ein willkommenes Gefühl und, ich kann nicht erklären woran es liegt, ein Gefühl, dass man sich wie zu Hause fühlt. Sogar wenn ich mir keinen Film anschaue, brauche ich nur das Foyer zu betreten und ich bekomme sofort Lust auf Kino und wenn gerade eine Vorstellung läuft, beneide ich die Leute fast schon.
Man bekommt nicht wie in so vielen anderen Kinos Tickets in Form von Kassenzetteln, sonder große Karten mit vielen Informationen darauf, wie zum Beispiel Regisseur, Format, Länge usw. Allein schon daran merkt man, dass hier die Kunst ganz groß geschrieben wird.


Gartenbaukino


Das Gartenbaukino hat nur einen Saal, dieser ist sehr groß oder besser gesagt sehr lang, was technisch gesehen nicht sehr gut ist, da ich mir Birdman zum ersten mal von recht weit hinten ansehen musste und fast schon ein Binokular benötigte.
Nichtsdestotrotz ist die Leinwand sehr groß und in Reihe 14 oder 15 hat man eine mehr als ausgezeichnete Sicht. Dieser Saal hat etwas das nicht einmal die größten Multiplex-Kinos auf die Reihe bekommen, nämlich ein vollkommen scharfes Bild. Ich war in schon etlichen Kinosälen in Wien und keiner schafft es so ein scharfes Bild wie das im Gartenbau zu haben. Dort kommt man auch in den Genuss von analogen Filmprojektionen, die mit großem Aufwand betrieben werden und so konnte ich mir Anfang dieses Jahres gleich zwei Mal The Hateful Eight in der 70mm Roadshow-Fassung gönnen.

Das Gartenbaukino ist ein Programmkino, dort werden nicht alle Filme gezeigt sondern nur eine besondere Auswahl von alten Filmen, Klassikern, neuen Independent-Filmen und zu bestimmten Anlässen auch Blockbuster wie Mad Max: Fury Road, das alles im Original-Ton. Irgendwie bekommt man durch diese kleine Auswahl an Filmen die gezeigt werden den Eindruck, dass im Gartenbaukino nur qualitätsvolle Filme projiziert werden und dass sich ein Film erst mal verdienen muss dort gezeigt zu werden. Einer meiner größten Wünsche ist es, dass eines Tages mein eigener Film im Gartenbaukino gezeigt wird, bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber ich arbeite daran!

Das beste an allem sind jedoch die Leute die in das Kino hingehen. Während des Filmes ist es komplett still, da man sich sicher sein kann, dass jeder einzelne Zuschauer hier ist, nicht um Zeit totzuschlagen, sondern um den Film zu sehen. Während der Vorstellung gibt es kein raschelndes Popcorn oder knisternde Nachos, da sowas an der Theke nicht verkauft wird, allein der Geruch von Bier erfüllt den Saal in ausgebuchten Vorstellungen, was für mich aber kein Problem ist.
Nach Ende des Filmes, leert sich das Kino nie, die Leute bleiben auf der von den Anzeigetafeln ausgeleuchteten Straßenecke stehen und auch wenn es schon nach Mitternacht oder mitten im Winter ist, reden sie über den Film, den sie gerade gesehen haben. Das nenne ich Kinokultur.

Ich liebe das Gartenbaukino für die zahlreichen Retrospektiven und Werkschauen, die Möglichkeit große Meisterwerke und Klassiker auf der großen Leinwand zu sehen, dafür, Filmemachern hautnah begegnen zu können, für alle tollen Kinoerlebnisse die ich schon dort hatte und noch haben werde und für einen Ort, in dem sich sowohl Filme, als auch Filmenthusiasten wie zu Hause fühlen können.

Deswegen nehmt dies als Anlass, wenn ihr in Wien wohnt, in den kommenden Tagen mal ins Gartenbaukino zu gehen, egal was es spielt, ihr könnt euch sicher sein, es ist sehenswert. Und wenn ihr anderswo wohnt, und einmal in Wien zu besuch seid, erstatten dem Gartenbau unbedingt einen Besuch.

Man sieht sich im Kino!
– Alex

2 Gedanken zu „Das schönste Kino Wiens

  1. Bei mir ist es ganz klar das Publikum und die extrem lange Werbung in den großen Kinos. Einerseits halten sich dort teilweise einfach nur irgendwelche minderbemittelten Teenager rum, die rein gar keinen Respekt vor Filmen oder Kunst generell. Außerdem will ich inzwischen Filme einfach in der Originalsprache sehen, weshalb ich eher selten in große Kinos gehe, da dort die meisten Filme mit der deutschen Synchro laufen. Und außerdem gibt es viel zu viel Werbung in solchen großen Kinos. Das dauert dann teilweise 30 Minuten bis überhaupt der Film anfängt und so was kann ich auch gar nicht leiden.

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