Wie war’s auf der Viennale?

Viennale 2016

Ende Oktober bis Anfang November ist in Wien eine großartige Zeit für Filmfans. Genau in diesem Zeitraum findet nämlich die Viennale statt und selten, besonders seit den letzten Jahren, sieht man so viele gute Filme in einem so kurzen Zeitraum.
Das war das erste Mal, das ich Presse-Akkreditiert war, das heisst, ich habe so einen coolen Ausweis mit einem Foto von mir bekommen und konnte mir damit so ziemlich alle Filme anschauen, die ich sehen wollte. Das habe ich auch fast geschafft. Es gibt noch ein paar Filme, die ich gerne gesehen hätte und irgendwann einfach nachholen muss. Aber ich kann mich nicht beschweren, immerhin hatte ich das Glück auf der Viennale den besten Film seit Jahren zu sehen, aber dazu später mehr. Ich werde hier alle 5 Filme in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen habe, durchgehen und obwohl mir jeder unterschiedlich gut gefallen hat, sind alle sehr beachtenswert, also viel Spaß 😃

 

Manchester by the Sea

Manchester By The Sea

Casey Affleck gibt in diesem Film die wirklich kraftvollste Performance ab, die ich dieses Jahr im Kino gesehen habe. Manchester By The Sea gelingt etwas, das nur sehr wenige Filme schaffen, nämlich eine perfekte Mischung aus Tragik und Humor. Zwei Genres die in der Kunst komplette Gegenteile sind, sich im echten Leben aber immer zusammen begegnen, denn genauso fühlt sich dieser Film an, wie das echte Leben. Und das meine ich jetzt nicht auf einer Art und Weise, das ich mich mit dem Film besonders identifizieren konnte, sondern dass Kenneth Lonergan durch inszenatorischen und vor allem erzählerischen Mitteln es schafft eine absolut realistische Atmosphäre zu entwickeln und einen Rhythmus zu erschaffen, der einen noch lange danach im Kopf bleibt, genauso wie Casey Affleck. Seine Leistung hat mich einfach komplett beeindruckt und das nicht einmal im Kino ansich sondern erst lange nachdem ich es verlassen hatte.

 

Arrival

Arrival

Dieser Film ist großartig. So großartig, dass ich ihn bereits 2 Mal gesehen habe und das, obwohl er noch nicht mal offiziell rausgekommen ist. Dennis Villeneuve zaubert wieder einmal einen sehr beeindruckenden Film, der ein paar großartige Filmmomente hat, über die ihr noch nach dem Film schwärmen werdet. Dabei toppt Villeneuve nicht nur alle seine eigenen Filmen sondern zeigt vielen overhypten Science Fiction-Streifen der letzten Jahre, wie es richtig gemacht wird. Es ist ein Film, der versucht zu zeigen was vielleicht wirklich passieren würde, wenn Aliens einfach so auf unsere Erde kommen würden und rastet dabei nicht wie District 9 in einem komplett sinnlosen Action-Spektakel aus.
Die Erzählweise ist dabei komplett ungewöhnlich und unerwartet anspruchsvoll. Dieser Film hat in meinen Augen eine der schönsten und wichtigsten Messages die man seit langem von einem Film gehört hat.

 

Paterson

Paterson

Naja…spätestens wenn du dich selbst dabei erwischt, wie du öfters während eines Filmes auf die Uhr schaust, weißt du, dass es kein guter ist.
Paterson ist eine langweilige, wenig amüsante Erfahrung, dessen witzigster Charakter eine Bulldogge sein soll. Das Problem ist, dass ich Bulldoggen überhaupt nicht mag und es scheint so, als ob große Teile des Filmes dann einfach nicht funktionieren. Paterson ist im wahrsten Sinne des Wortes repetiv und das mag vielleicht der große Witz am ganzen sein, ich finds trotzdem nicht lustig. Es gab ein paar Dialoge und Charaktere, die mich zum Grinsen brachten, das war’s aber. Es mag vielleicht ein Fest für manche sein, für mich war es aber nur langweilig. Mag sein, dass ich vielleicht zu jung für den Film bin, das weiß ich nicht, aber wenn ich 1 Stunde vor Filmende nur noch drauf warte, das der Film zu Ende geht, weiß ich, dass etwas nicht stimmt.

 

Certain Women

Certain Women

Vom Festivalleiter wärmstens empfohlen, dachte ich, dass ich bei Certain Women einen großartigen Film sehen werde, aber irgendwie war’s das nicht. In Certain Women werden episodenartig Geschichten über bestimmte Frauen erzählt, was für Leben sie leben und wie diese Leben in irgendeiner Weise dadurch geprägt sind, dass sie Frauen sind. Klingt wie ein großartiges Konzept, bis auf die letzte Geschichte ist der Film aber nur wenig berieselnd. Er wird grad noch durch tolle Schauspielerinnen wie Laura Den und Michelle Williams zusammenzuhalten, deren beiden Geschichten waren aber wirklich nicht so erzählenswert in meinen Augen. Die dritte und letzte Geschichte war aber ganz anders, nämlich echt interessant. Dort haben wir nämlich Kristen Stewart und eine Schauspielerin namens Lilly Gladstone. Besonderes letztere strahlt mit ihrer Performance in der letzten Story welche ein wirklich guter, in sich geschlossener Kurzfilm ist und den Rest könnte man leider irgendwie ruhig weglassen.

 

La La Land

La La Land

La La Land war der letzte Film, den ich auf der Viennale gesehen habe und gleichzeitig mir großem Abstand der beste des Festivals. Eigentlich ist er auch der beste Film des gesamten Jahres und wenn ich’s mir recht überlege der wirklich beste Film seit einigen Jahren. Wer hätte gedacht, dass ein Musical im Jahr 2016 alle zusammengeschnippselten CGI-Profit-Monster, die mich mehrmals zum einschlafen brachten, nach Hause schicken wird?
Mit Whiplash hat Damien Chazelle einen meiner Top 10 Lieblings Filme gemacht, einen Film den ich als absolut perfekt empfinde und 5 mal gesehen habe. Ich hätte nie gedacht, dass er einen Film besser als Whiplash machen könnte – ich habe mich getäuscht!
La La Land riss mich emotional mit wie kein anderer, ein Film bei dem du weinen, lachen und staunen kannst. Auf der Fahrt nach Hause war ich komplett still, meine Hände noch immer zitternd von dem audiovisuellen Erlebnis, das ich gerade hatte.
Schaut euch diesen Film an, wenn nicht, dann bin ich einfach nur enttäuscht von euch.
Damien Chazelle war auch Co-Autor von dem zweitbesten Film des Jahres: 10 Cloverfield Lane. Der Mann rettet gerade wirklich für mich das Kino…

Liebe Grüße
Alex

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